Teaser-Bild-Schuhmacher
wahr oder unwahr?

Die UPD produziert Sneakers für ON

Das stimmt nicht.

Wahr ist hingegen, dass unter Anleitung des gelernten Schuhmachers Beat von Deschwanden in der Tagesstätte «Mitte» handgefertigte Schuhe produziert werden.

Wer auf einem der grossen Jobportale einen Job als Pflegefachperson sucht, hat die Qual der Wahl aus fast 7000 Jobangeboten. Wer Schuhmacher googelt, findet eine knappe Handvoll. Dem schönen Beruf droht das gleiche Schicksal wie Lichtputzern, Rohrpostbeamten oder Kaffeeriechern (mehr dazu): Er stirbt langsam aus.

Einer der wenigen noch aktiven Berner Schuhmacher ist Beat von Deschwanden und er arbeitet für die UPD. Der passionierte Biker ist Tagesstätteleiter (Mitte) im Zentrum Psychiatrische Rehabilitation (ZPR).

In der Tagesstätte «Mitte» werden Menschen beschäftigt, die sich aufgrund einer psychischen Störung in einer Krise befinden. Sie wohnen zu Hause oder in einer betreuten Wohneinrichtung und werden dort, wenn angezeigt, in ihrem gewohnten Lebensumfeld von einer Oberärztin oder einem Oberarzt behandelt. Tagsüber arbeiten sie in der Tagesstätte. Das perfekte Zusammenspiel und die enge Absprache zwischen behandelnder Ärztin oder Arzt und Beat von Deschwanden ist erfolgsentscheidend. Kein Wunder, wird im ZPR INTERDISZIPLINARITÄT grossgeschrieben.

Der erfrischend unkomplizierte Tagesstätteleiter hat einen prall gefüllten beruflichen Rucksack. Er machte eine Postlehre, arbeitete in der Landwirtschaft und auf dem Bau. Ein Schiessunfall im Militär zwang ihn zu einer erneuten beruflichen Neuorientierung. Er wollte Schuhmacher lernen, wurde dann Industrieschuhmacher und brachte sich die Fertigkeiten eines Schuhmonteurs, Zuschneiders und Nähers gleich auch noch bei. Ein paar Jahre später, noch nicht ganz 30, führte er den Betrieb. 25 Jahre lang tat er das. Dann führte ihn ein, wie er es nennt, «beruflicher Lottosechser» zur UPD.

Von Deschwanden arbeitete sich schnell ein, bildete sich weiter, berufsbegleitend und «on the job». Er liebt, was er tut. Die Abwechslung. Die Sinnhaftigkeit. Der enge Austausch mit den Ärztinnen und Ärzten. Die Gespräche mit den Patientinnen und Patienten, die hier ganz einfach Mitarbeitende sind und manchmal ein paar Monate, manchmal auch über Jahre bleiben. Und er liebt es, aus Leder Schönes zu machen und seine Mitarbeitenden mit seiner Begeisterung anzustecken. «Früher gab es nur ein paar, meist dunkle, Farben, aus welchen einige wenige Produkte gefertigt wurden. Heute machen wir Schuhe, Gürtel, Taschen und Portemonnaies. Und die Farb- und Produktpalette ist fast so bunt wie die Lebensgeschichten meiner Mitarbeitenden.» Rund 30 Farben sind im Sortiment und seit Kurzem wird auch vegetabiles Leder verarbeitet.

Und, Beat von Deschwanden, sind Sie selbst auch ein bunter Vogel?

«Ja, schon», sagt der 61-Jährige. «Ich trage zum Beispiel immer zwei verschiedenfarbige Schuhe. Das fällt natürlich auf und gibt schnell einen Anknüpfungspunkt für ein Gespräch. Aber das ist natürlich nur die offizielle Begründung», schiebt der humorvolle Berner mit einem schelmischen Augenzwinkern nach. «In Tat und Wahrheit mag ich es, wenn sich die Leute vor mir verneigen. Und genau das tun sie, wenn sie nach unten blicken und mein Schuhwerk bemerken.»

Humor ist auch ein gutes Stichwort für die tägliche Arbeit in der Tagesstätte.

 

«Bei uns wird viel gelacht. Arbeit und Spass gehen hier Hand in Hand. Das wirkt sich auch auf die Produktivität aus, manchmal muss ich meine Mitarbeitenden sogar etwas bremsen. Manche gehen in ihrem Job geradezu auf. Dann schalten wir einen Gang runter. Lieber einen vollen VW-Käfer als einen leeren Porsche, sage ich dann dazu.»

Doch wie viel Schuhmacher steckt noch im Tagesstätteleiter?

«Ich habe natürlich viele Gespräche mit den Mitarbeitenden und auch administrative Aufgaben, aber ich kann mein Wissen rund um die Verarbeitung von Leder noch immer wunderbar einsetzen, fast jeden Tag. Besser hätte es für mich nicht kommen können.»

Bleibt eine Frage, ohne die diese Geschichte nicht enden kann. In Anlehnung an das Lied, das jedes Kind kennt, fragen wir einfach fadegrad:

Schuehmächerli, was choschted mini Schueh?

Von Deschwanden lacht laut und ergänzt: «Schon ein paar mehr als nur drü Bätzeli – nämlich ab 69 Franken. Dafür sind d’Nägeli dann inbegriffen!»

Die schönen Ledersachen kauft man am besten gleich vor Ort an Murtenstrasse 46 in 3008 Bern, oder im einLaden an der Rathausgasse 70 in der Berner Altstadt.

 

Du willst wie Beat als Ü50 noch einmal durchstarten? Ja gerne! Hier geht es zu den freien Jobs bei der UPD.

Entdecke weitere Geschichten!

Wahres und Unwahres über die UPD
wahr oder unwahr?

Jugend forscht – neuerdings sogar bei der UPD

upd therapie depression wahr oder unwahr?

Es gibt keine wirksamen Therapien gegen Depression

UPD-Wahr-Unwahr-Artikel-Kaess wahr oder unwahr?

Selbst­verletzende Jugendliche sind schwer therapierbar

Mehr Geschichten